Wer sich auf eine Ayahuasca-Zeremonie vorbereitet, tut dies idealerweise auf mehreren Ebenen gleichzeitig: körperlich, mental und intentional. In der indigenen Tradition des Amazonas ist dieser Vorbereitungsprozess als „La Dieta" bekannt – eine strukturierte Phase der Reinigung und des Rückzugs, die den Boden für die Zeremonie bereitet. La Dieta ist keine bloße Formalität: Sie hat direkten Einfluss auf die Sicherheit, das körperliche Wohlbefinden während der Zeremonie und die Tiefe der Erfahrung.
Im Kontext von Retreats für Teilnehmer aus Deutschland und dem deutschen Sprachraum ist es wichtig zu verstehen: Die Diät vor einer Ayahuasca-Zeremonie ist keine Ernährungsmode. Bestimmte Lebensmittel und Substanzen können in Kombination mit den MAO-Inhibitoren in der Ayahuasca-Liane zu unerwünschten körperlichen Reaktionen führen. Die Vorbereitung ist also nicht nur spirituell bedeutsam, sondern auch sicherheitsrelevant.
Was ist La Dieta?
La Dieta (auf Deutsch: die Diät) bezeichnet in der Shipibo-Tradition einen Prozess des körperlichen und geistigen Rückzugs und der Reinigung, der in der Regel ein bis zwei Wochen vor der Zeremonie beginnt. Traditionell beinhaltet La Dieta weit mehr als nur Ernährungsregeln: Sie umfasst auch soziale Einschränkungen, den Rückzug aus aufwühlenden Umgebungen und die Fokussierung auf die eigene Intention.
In einem modernen Retreat-Kontext wird La Dieta auf die wichtigsten ernährungs- und substanzbezogenen Aspekte fokussiert – doch auch diese sind nicht zu unterschätzen.
Warum ist die Vorbereitung so entscheidend?
In der westlichen Welt wird Vorbereitung oft als optionaler Schritt betrachtet – etwas, das man tut, wenn man Zeit hat, und weglässt, wenn nicht. In der Tradition der Shipibo ist das grundlegend anders: Die Vorbereitung ist kein Vorspann zur Zeremonie. Sie ist der Beginn der Zeremonie.
Wenn ein Teilnehmer unvorbereitet in eine Zeremonie geht – körperlich durch falsche Ernährung belastet, mental abgelenkt, ohne Intention –, merkt das die Pflanze. Ayahuasca wird oft beschrieben als eine Kraft, die mit dem trifft, was man mitbringt. Wer Offenheit und Reinheit mitbringt, findet einen anderen Zugang als jemand, dessen System mit Alkohol, rotem Fleisch oder ungelösten Konflikten aus der Vorwoche belastet ist.
Darüber hinaus hat die Diät eine direkte pharmakologische Bedeutung: Die MAO-Inhibitoren in der Ayahuasca-Liane interagieren mit bestimmten Substanzen auf eine Weise, die körperliche Beschwerden oder stärkere Nebenwirkungen verursachen kann. Ein gut vorbereiteter Körper toleriert das Gebräu besser, die Reinigungsphase verläuft sanfter, und der Geist ist freier für das, was die Nacht bringt.
Schließlich ist die Vorbereitungszeit auch eine Zeit der inneren Ausrichtung. Wer zwei Wochen vor einer Zeremonie bewusst lebt – weniger konsumiert, mehr stille Zeit schafft, seine Intention formuliert –, kommt nicht als Fremder in die Maloca. Er oder sie kommt als jemand, der bereits begonnen hat anzukommen.
Lebensmittel und Substanzen, die vor der Zeremonie vermieden werden sollten
Mindestens ein bis zwei Wochen vor der Zeremonie sollten folgende Lebensmittel und Substanzen vermieden werden:
Tierische Produkte:
– Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) – besonders verarbeitetes, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch
– Schweinefleisch und alle Produkte daraus
– Geräucherter, getrockneter oder gesalzener Fisch
– Gereifte oder fermentierte Käsesorten (z. B. Brie, Camembert, Blauschimmelkäse, gereifter Cheddar)
Fermentierte und konservierte Lebensmittel:
– Alkohol in jeder Form
– Fermentierte Sojaprodukte (z. B. Miso, Sojasauce, Tempeh)
– Eingelegte oder fermentierte Gemüse (z. B. Sauerkraut, Kimchi, Essiggurken)
– Kombucha und andere fermentierte Getränke
Sonstige zu vermeidende Lebensmittel und Substanzen:
– Alle Freizeitdrogen (Kokain, MDMA, Cannabis, Amphetamine u. a.)
– Koffein – insbesondere in den letzten drei bis fünf Tagen vor der Zeremonie empfohlen zu reduzieren
– Stark verarbeitete Lebensmittel, Fertiggerichte, Fast Food
– Extrem scharfe Gewürze
– Übermäßig fettreiche oder zuckerreiche Speisen
– Künstliche Süßstoffe
Ein besonderer Hinweis gilt für die Kombination mit bestimmten Medikamenten: Die MAO-Inhibitoren in der Ayahuasca-Liane können Wechselwirkungen mit diversen Substanzen auslösen. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, ist es unerlässlich, vor einer Zeremonie sowohl mit dem Retreat-Anbieter als auch mit einem Arzt Rücksprache zu halten. Absolute Kontraindikationen, bei denen von einer Teilnahme dringend abzuraten ist, umfassen unter anderem: die Einnahme von Antidepressiva (insbesondere SSRIs, SNRIs oder MAO-Hemmern), Lithium oder anderen Stimmungsstabilisatoren, blutdrucksenkenden Medikamenten, Antipsychotika sowie eine diagnostizierte Psychose, Schizophrenie oder bipolare Störung, Epilepsie und Schwangerschaft. In diesen Fällen kann die Kombination mit Ayahuasca ernsthafte gesundheitliche Risiken darstellen. Seriöse Anbieter führen ein umfassendes Gesundheitsscreening durch und sind in der Lage, auf deine individuelle Situation einzugehen.
Empfohlene Lebensmittel in der Vorbereitungsphase
Im Gegensatz zu dem, was vermieden werden sollte, helfen folgende Lebensmittel, den Körper optimal vorzubereiten:
– Frisches Obst und Gemüse (möglichst unverarbeitet und regional)
– Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen, schwarze Bohnen
– Vollkorngetreide wie Reis, Quinoa, Hafer
– Pflanzliche Proteinquellen
– Frischer (nicht geräucherter oder gepökelter) Fisch oder Hühnchen in Maßen
– Reichlich Wasser – gute Hydration ist entscheidend
Die Grundregel lautet: leicht, frisch, unverarbeitet. Ein Körper, der gut vorbereitet ist, wird die Zeremonie körperlich besser tolerieren und die Erfahrung tiefer integrieren können.
Mentale Vorbereitung und Intention
Neben der körperlichen Vorbereitung ist die mentale Vorbereitung mindestens genauso wichtig. Eine der wirkungsvollsten Vorbereitungsübungen ist das Setzen einer klaren Intention: Warum nimmst du teil? Was suchst du? Was bist du bereit loszulassen?
Eine Intention muss nicht in Worten formuliert sein – manchmal ist es ein Gefühl, ein Bild oder eine offene Frage. Wichtig ist, dass du dir vor der Zeremonie bewusst Zeit nimmst, in dich hineinzuhorchen. Journaling, Meditation oder ausgedehnte Spaziergänge in der Natur sind beliebte Wege, um diese innere Stille zu finden.
Ebenso empfehlenswert: Reduktion von Social Media, Nachrichten und aufwühlenden digitalen Inhalten in den Tagen vor der Zeremonie. Der Übergang in den Zeremonialraum fällt leichter, wenn der Geist nicht von externen Reizen überflutet ist.
Die Rolle der Stille in der Vorbereitung
In den Tagen vor einer Zeremonie tendieren viele dazu, ihre Unsicherheit mit Aktivität zu überdecken: Berichte lesen, Videos schauen, mit anderen über ihre Erwartungen sprechen. Das ist verständlich, aber oft kontraproduktiv. Je mehr Bilder und Erzählungen man im Kopf hat, desto lauter ist das Rauschen, durch das die eigene Erfahrung ihren Weg finden muss.
Stattdessen: Spaziergänge ohne Kopfhörer. Mahlzeiten ohne Bildschirm. Ein Abend mit einem Notizbuch statt einer Streaming-Plattform. Kleine Gesten des Innehaltens, die dem Geist signalisieren: Etwas Bedeutsames steht bevor. Diese Haltung ist keine Vorbereitung im technischen Sinne – sie ist bereits der Beginn einer anderen Qualität der Aufmerksamkeit.
Maestro Pepe Franchini Vásquez beschreibt es so: Eine Zeremonie beginnt nicht, wenn das Gebräu getrunken wird. Sie beginnt in dem Moment, in dem ein Teilnehmer wirklich Ja sagt – innerlich, ohne Vorbehalt. Für manche passiert das Wochen vor der Ankunft. Für andere erst in der Maloca selbst. Die Vorbereitung ist der Weg zu diesem Ja.
Was du zur Zeremonie mitbringen solltest
Je nach Retreat-Anbieter variiert, was mitgebracht werden muss. Zur Sicherheit empfehlen wir folgendes:
– Eine Matte, ein Schlafsack oder eine Yoga-Matte als Liegeplatz
– Ein Kissen
– Eine leichte Decke (zeremonielle Räume können nachts kühl werden)
– Eine Wasserflasche
– Eine Schüssel (die körperliche Reinigung ist ein normaler Teil der Erfahrung)
– Taschentücher oder Servietten
– Bequeme, lockere Kleidung in Lagen
– Ein Notizbuch für die Integration nach der Zeremonie
Für Retreats im peruanischen Amazonas empfiehlt sich zusätzlich: leichte, helle Kleidung aus Baumwolle, Insektenschutz (für die Zeit außerhalb der Zeremonien) und offene Sandalen oder Hausschuhe für das Zeremonialzelt.
Was man während der Zeremonie trägt
Kleidungskomfort steht im Vordergrund: locker sitzend, bequem, idealerweise aus natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Leinen. In einem Retreat in Peru oder einem tropischen Klima empfiehlt sich leichte, luftige Kleidung. In einem europäischen Zeremonialsaal kann es nachts kühl werden – eine dünne Decke oder ein weicher Pullover sind ratsam.
Vorbereitung als Haltung
Die wichtigste Vorbereitung auf eine Ayahuasca-Zeremonie ist keine Liste von Dingen, die man mitbringt oder meidet. Es ist eine innere Haltung: Offenheit, Ehrlichkeit mit sich selbst und die Bereitschaft, das, was kommt, willkommen zu heißen – auch wenn es unbequem ist. Teilnehmer, die mit dieser Haltung ankommen, erleben häufig tiefgreifendere Prozesse als solche, die technisch perfekt vorbereitet sind, aber innerlich verschlossen bleiben.
Ayahuasca Zeremonien verlangen keine Erfahrung, keine besondere spirituelle Überzeugung und kein Vorwissen. Sie verlangen Respekt, ehrliche Intention und die Bereitschaft, sich zu zeigen. In diesem Sinne beginnt die Vorbereitung nicht mit dem ersten vermiedenen Bissen Käse, sondern mit der ehrlichen Frage: Warum will ich das wirklich tun?